Warum brauchen wir Tarifverträge?

 

Ja, warum eigentlich? Ich verhandle meinen Arbeitsvertrag mit dem Arbeitgeber und die jährlichen Steigerungen kann ich doch auch selbst aushandeln. Warum also Tarifverträge?

 

Versucht doch einfach, mit Eurem Chef über eine Lohnerhöhung zu verhandeln – sagen wir 5%. Da wird einem schnell klar, dass die eigene Verhandlungsposition nicht die Beste ist. Abhängig vom Verhandlungsgeschick des Einzelnen kommt da mehr oder weniger raus.

 

Aber es gibt ja nicht nur das Gehalt, sondern noch ein paar Dinge mehr, die Verhandelt werden könnten. Wie steht es mit der Durchsetzungsfähigkeit einzelner gegenüber dem Arbeitgeber?

 

Als Arbeitnehmer profitieren wir von den bereits abgeschlossenen Regelungen, die unsere Vorgänger erstritten haben:

- Arbeitszeit: 37,5h Woche

- Zuschläge für Schicht-/Nacht-/Sonn-/Feiertagsarbeit

- 30 Tage Urlaub und Urlaubsgeld

- Jahressonderzahlung (Weihnachtsgeld)

- Tarifliche Altersversorgung

 

Das alles ist schon so selbstverständlich, dass kaum noch jemand darüber nachdenkt. Bestenfalls werden wir bei Tarifverhandlungen daran erinnert, wenn es um die Erhöhung des Arbeitsentgelts geht.

 

Tarifverträge haben auch für den Arbeitgeber Vorteile:

- Planungssicherheit was Gehalts- und Fertigungskosten angeht

- Einheitliche und angepasste Regelungen der Arbeitsbedingungen einer ganzen Branche

- Klare Kriterien für die Eingruppierung in Gehaltsgruppen anhand der Tätigkeiten/Verantwortlichkeiten

- Bei Krisen können die Vertragsparteien entsprechend (ver-)handeln und schneller und passender reagieren als die Politik
  (siehe Finanz- und Bankenkrise) um Arbeitsplätze zu erhalten.

- Erhalt des sozialen Friedens und damit ein stabiles, sicheres Umfeld für Unternehmen (Friedenspflicht).

 

Die Arbeitgeber haben also durchaus auch ein Interesse daran, dass Tarifverträge abgeschlossen werden. Natürlich gibt es immer wieder Unternehmen, die meinen, dass sie ohne Tarifverträge besser dastehen. Die treten dem Arbeitgeberverband nicht bei oder treten aus. Das heißt dann nichts anderes, als das die Arbeitsbedingen schlechter sind bzw. werden, sich Unzufriedenheit bei der Belegschaft breit macht und die Arbeitsmoral sinkt. Hinzu kommen noch Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. In Zeiten von Fachkräftemangel und niedriger Arbeitslosigkeit möchte man fast Mitleid mit Betrieben ohne Tarifbindung bekommen.