Woher wissen die Gewerkschaften, über was sie verhandeln sollen?

 

Die Forderungen werden in mehreren Schritten erarbeitet.

 

Auf der einen Seite wird die Situation der betroffenen Unternehmen analysiert. Dafür liefert unter anderem die Hans Böckler Stiftung die Daten. Anhand dieser Daten und der aktuellen politischen Situation (z.B. Rentendiskussion) gibt der Hauptvorstand eine Empfehlung für die Tarifverhandlungen ab.

 

In den Betrieben stellen die Vertrauensleute und die Kolleginnen und Kollegen der Ortsgruppen den Mitgliedern – also EUCH – diesen Vorschlag vor und diskutieren ihn. Dieses Meinungsbild ist wichtig um Prioritäten zu setzen und den Rahmen für die Verhandlungen abzustecken. Liegt der Schwerpunkt auf Lohnsteigerung oder Arbeitsplatzsicherung? Wie ist die Situation der Azubis? Was sind die harten Forderungen? Wo könnte man Abstriche in Kauf nehmen?

 

Der Vorschlag des Hauptvorstandes wird daraufhin in einer Versammlung des Vertrauenskörpers (also den Vertrauensleuten) und den Ortgruppenvertretern diskutiert, evtl. ergänzt und/oder abgewandelt und verabschiedet. Diese Forderungen gehen dann wieder als Empfehlung an die Tarifkommission.

 

Die Tarifkommission wiederum hat die Aufgabe, die unterschiedlichen Forderungen aus den Betrieben und Standorten zu bewerten und das Machbare unter Berücksichtigung der Erwartungen der Mitglieder durchzusetzen.

 

Dabei muss man berücksichtigen, dass überhöhte Forderungen nicht automatisch hohe Abschlüsse zur Folge haben. Es gibt keine Formel wie „Wir fordern 8%, dann bekommen wir 4%“). Das funktioniert nicht!

 

Die Arbeitgeberseite von Anfang an mit überzogenen Forderungen zu konfrontieren, führt nur dazu, dass die Gespräche vorzeitig beendet werden. Es kommt dann zum Arbeitskampf (Streik) und Aussperrung. Das schadet den Arbeitnehmern – also uns – und dem Unternehmen.

 

Natürlich gibt es auch Situationen, wo man hart bleiben und für die Durchsetzung seiner Forderungen kämpfen muss. Ist uns eine Forderung wirklich so wichtig, dass wir dafür streiken würden? Steht die Belegschaft hinter uns? Wir haben nur das eine Mittel, Druck auf den Arbeitgeber auszuüben. Da ist Augenmaß gefragt!

 

In der Vergangenheit sind wir gut damit gefahren. Trotzdem waren die Abschlüsse überdurchschnittlich und Krisen hatten kaum Auswirkungen auf die Beschäftigten hier am Standort.